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   André Hofer
                  22. September 2016

Nein, du bist nicht zu alt für Snapchat

Das digitale Zeitalter spaltet die Generation Y in zwei Lager und hat über die Jahre einen neuen Schick etabliert: Demnach ist es cool, medialen Trends zu entsagen und sich – alle anderen mit einer Anti-alles-Attitüde nervend – demonstrativ in seiner eigenen Überheblichkeit einzuigeln. Verweigerer moderner Entwicklungen, nehmt euch in Acht – ihr und euer postpubertärer Elitarismus, ihr könnt baden gehen!  

 

“Ich verstehe Snapchat nicht, ich bin zu alt für den Scheiß.” Unter dem Deckmantel der eigenen Unzulänglichkeit getarnt, geht es hier eigentlich um etwas ganz anderes, nämlich darum, seine Überlegenheit gegenüber dummen, trendzerfressenen Jugendlichen zu statuieren. Die Erklärung dafür erscheint simpel: Du willst so gerne erwachsen sein, und doch ist der einzige erhebliche Punkt, in dem du dich von deinem pubertären Ich unterscheidest, dein Alter. Warum also nicht diesen Trumpf in den entscheidenden Momenten ausspielen? Du denkst dir: “In your face, ihr kindischen Snapchat-Suchtis – Ich bin schon Mitte 20! Ich habe Einkäufe zu tätigen und einen Haushalt zu führen!!!”

 

Zugegebenermaßen präsentiert sich Snapchat auf den ersten Blick nicht übermäßig intuitiv. Das liegt insbesondere daran, dass die Benutzeroberfläche der App gezielt darauf ausgerichtet wurde, den Nutzer vor einem Sammelsurium aus zu vielen Reitern und Buttons zu bewahren. Eigentlich eine tolle Idee. Um sich in dem minimalistischen Ergebnis zurechtzufinden, bedarf es nun jedoch etwas Geduld oder wenigstens eines YouTube-Tutorials. Sofern du nicht zu den Protagonisten aus Platons “Höhlengleichnis” gehörst, solltest du Snapchat dennoch fix verstanden haben. Im Wesentlichen verfügt die App nämlich lediglich über drei Hauptfunktionen: Schnappschüsse oder kurze Clips mit bestimmten Freunden teilen, Schnappschüsse oder kurze Clips mit allen Freunden teilen oder Schnappschüsse oder kurze Clips von Celebrities anschauen. Bis hierher solltest du Snapchat verstanden haben, schließlich hast du (unter anderem) 14 Semester “Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas” studiert.

 

Was also ist das Problem? Sicherlich versendest auch du regelmäßig Fotos via WhatsApp. Natürlich, in der Regel sind das Aufnahmen deiner Mitschriften aus der Uni, die du in deiner “Studis”-Gruppe mit deinen Kommilitoninnen teilen möchtest. Wenn du ehrlich bist, musst du dir jedoch eingestehen, dass auch dir einmal das ein oder andere Selfie durchrutscht oder ein Foto deiner Tiramisù. Oder du dich zum Zeitvertreib durch die Star-Profile bei Instagram scrollst. Warum also hasst du Snapchat so sehr? Ist es das kindlich wirkende Geist-Icon? Sind es die Miezekatzenfilter?? Oder hatest du vielleicht doch nur aus Prinzip???

 

Woran auch immer es liegt, es liegt garantiert weder daran, dass du Snapchat nicht verstehst noch an deinem sagenhaft hohen Alter. Also ergib dich deinem inneren Kind, das die witzigen Filter mit Stimmverzerrer eigentlich ganz nett findet und hör auf, die ganze Welt glauben zu machen, 27 sei alt. Greis sein kannst du, wenn alle anderen tot sind.

 

 

Über den Autor: André Hofer beschäftigt sich seit fast zehn Jahren mit Popkultur. Eine Googlesuche genügt, um zu wissen: Seine Zeit wird erst dann gekommen sein, wenn der gleichnamige österreichische Fußballprofi endlich in Rente geht. Als Redakteur und Konzepter arbeitet André zurzeit unter anderem für den ProSiebenSat.1-Tochtersender AMPYA.

 

 

 

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