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   André Hofer
                  19. October 2016

Casey Neistat: Werbung für Leute, die Werbung hassen

In Handschrift hat er sich die beiden Worte “DO MORE” auf den rechten Unterarm tätowieren lassen. Nicht nur sein Lebens-, sondern auch sein Arbeitsmotto, denn: Casey Neistat hat es geschafft, Menschen, die Werbung hassen, genau dafür empfänglich zu machen.

 

Angeblich hatte Casey Neistat während seiner Karriere keinerlei Ambitionen, später einmal Karriere zu machen. Sogar die High School brach der Amerikaner vorzeitig ab – mit gerade einmal 16 Jahren. Heute ist er maßgeblich daran beteiligt, dass der internationale Werbemarkt einen dramatischen Wandel vollzieht. Denn er produziert Werbung für Leute, die Werbung eigentlich hassen. Während einer Podiumsdiskussion in New York diesen Sommer gestand er: “I fucking hate ads.” Die Vorstellung, dass jemand, der sich einfach nur seine YouTube-Videos ansehen wolle, von einem Werbespot über Autos unterbrochen werde, gefalle ihm überhaupt nicht. Dabei macht Casey Neistat selbst Werbung, auch wenn die sich nicht Werbung anfühlt. Genau das ist sein Erfolgsrezept.

 

Neistat fungiert als moderner Vermittler zwischen Marke und Mensch. Er weiß, was Unternehmen wollen und er weiß auch, was die Generation Y will, die grundsätzlich kein gutes Verhältnis zu Werbung hat – Großartige Geschichten, Abenteuer und vor allem eines: Authentizität. Indem sich Casey Neistat in den vergangenen Jahren an diese drei Attribute hielt, hat er sich mittlerweile zu einem der einflussreichsten Influencer der Welt gemausert. Er schafft es, Werbung in einem für den Zuschauer aufregenden Umfeld zu platzieren, interessante und humorvolle Videoclips mit Werbung zu kombinieren. Casey Neistat beweist, verstanden zu haben, was Branded Content wirklich bedeutet.

 

Als Nike seine Fitness-Tracker bewerben wollte, fragte das Unternehmen Neistat an und baten ihn, ein Video mit dem Aufhänger #makeitcount zu produzieren. Anstelle eines klassischen Werbefilms gab der 35-Jährige das gesamte Werbebudget für eine Weltreise aus, bei der er sich und seinen Freund Max dabei filmte, wie die beiden ihr Leben genossen. Der Erfolg war durchschlagend: Mittlerweile hat das Video auf Neistats YouTube-Channel mehr als 21 Millionen Aufrufe. Es war nicht seine Intention, dass Nike ihm eine Reise um den Globus finanzieren sollte. Vielmehr ging es ihm darum, ein Image aufzubauen – auf beiden Seiten. Heute erreichen den YouTuber an manchen Tagen bis zu 50 E-Mails von Jugendlichen, die einen ähnlichen Trip erleben wollen und sich Tipps für die Suche nach dem passenden Sponsor einholen wollen. Laut Neistat hätten sie nicht verstanden, worum es wirklich gehe. Eine Kooperation wie diese funktioniere nicht aus heiterem Himmel. Erst einmal gehe es darum, der Welt da draußen zu beweisen, dass Menschen zum Staunen bringen könne. Und außerdem: “There is no misconceptions about it. There is not magic or bullshit behind it. ROI is ROI is ROI is ROI.”

 

Seine Erfolgsstrategie ist im Grunde genommen simpel. Es geht nicht darum, Firmen davon zu überzeugen, dass er der richtige Influencer ist, sondern darum, seinen Zuschauern und insbesondere ihn selbst davon zu überzeugen, dass es ein Produkt wert, seine Geschichte zu erzählen. Denn jedesmal, wenn Casey Neistat Geld dafür erhält, ein Werbevideo zu produzieren, geht er das Risiko ein, es sich mit seinen Fans zu verscherzen. Verliert er ihr Vertrauen, ist er seinen Job los. Es ist das größte Risiko, das der Influencer im Influencer-Marketing trägt – und Neistat hat das verstanden. Es geht um Transparenz und nicht darum, jemandem etwas vorzumachen. Sobald Neistat einen Deal mit einem Unternehmen abgeschlossen hat, berichtet er seinen Zuschauer davon.

 

Als ihn Mercedes-Benz damit beauftragte, einen Werbeclip für ein neues Modell zu drehen, produzierte er stattdessen eine vierteilige Serie, in der er sich über den Prozess lustig machte, einen Automobil-Werbespot zu produzieren. Sein Fazit: Mercedes-Benz “probably sold some cars.” Die Message hinter dieser Aussage ist klar, hier herrschte eine klassische Win-Win-Situation. Seine Fanbase hat ihm die Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz nicht übel genommen. Casey Neistat schafft es, Werbung zu machen, die so authentisch ist, dass sie nicht mehr wie Werbung wirkt und er selbst sein Gesicht nicht verliert. So manchem Blogger hat er genau diese Gabe voraus.

 

 

Über den Autor: André Hofer beschäftigt sich seit fast zehn Jahren mit Popkultur. Eine Googlesuche genügt, um zu wissen: Seine Zeit wird erst dann gekommen sein, wenn der gleichnamige österreichische Fußballprofi endlich in Rente geht. Als Redakteur und Konzepter arbeitet André zurzeit unter anderem für den ProSiebenSat.1-Tochtersender AMPYA.

 

 

1 Comment

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  1. Lawrence Manweiler
    26. April 2017 at 10:56

    Sehr informativer Beitrag! Dankeschön!